… und die Reise geht weiter, wir verlassen den roten Landstrich und erreichen unser nächsten Ziel – „BLAU“!

Mit dieser Artikelreihe möchten wir dir verschiedene Organisationskonzepte vorstellen – die einen sind mehr, die anderen weniger bekannt. Und doch haben sie alle ihre Daseinsberechtigung: die einen sind prädestiniert für einfache und komplizierte, die anderen für komplexe und chaotische Herausforderungen. Ein „besser“ oder „schlechter“ gibt es nicht – nein, entscheidend ist, ob die Herausforderung zum Organisationskonzept passt.

Was dich nun erwartet? Im zweiten Teil der Serie stellen wir dir das „BLAUE“ Organisationskonzept vor. Wir beschreiben unsere Erfahrung in einem Tagebuch-Auszug, fassen die wichtigsten Charakteristiken roter Organisationen zusammen und berichten von Beispielen aus der Praxis!

Wir wünschen Dir viel Spaß beim Lesen und freuen uns, wenn du uns auch in den nächsten Wochen auf unserer Reise begleitest!


Tagebuch-Auszug

„Mit Überschreiten der Grenze von Rot zu Blau wird sehr schnell deutlich, dass Spontanität und Emotionalität im Hier und Jetzt vorausschauender Planung, Ordnung und Fleiß weichen. Vor vielen Gebäuden, aber auch innerhalb der Stockwerke hängen Zielbilder für die nächsten Jahre und Organigramme aus, die die Organisationsstruktur beschreiben. Unternehmen sind nach Funktionen organisiert, anhand der Darstellungen ist schnell zu erkennen, wer für was verantwortlich ist und wer zu welchem Bereich gehört. Nicht selten finden sich die verschiedenen Abteilungen eines Unternehmens in unterschiedlichen Stockwerken oder Gebäuden – die Vorgesetzten der Bereiche treffen sich regelmäßig, um Entscheidungen zu einzuleiten und Aktivitäten zu synchronisieren.

In kleinen Büros entlang der Flure arbeiten die Mitarbeiter zuverlässig und pflichtbewusst an ihren Arbeitspaketen. Es wird viel Wert auf klar definierte Prozessabläufe, Standards und Genauigkeit gelegt, denn nur so kann der Arbeitstag strukturiert werden. Für die Menschen sind Loyalität, Beständigkeit und Stabilität wichtig: Ein Großteil ist bereits seit Eintritt ins Berufsleben für das Unternehmen tätig, die Verbundenheit ist groß.

Eine Gruppe Manager hat sich versammelt. Sie bilden das Steering-Committee eines Effizienzprogramms und stimmen sich bezüglich der Zielerreichung ab. Die Maßnahmenliste wird durchgegangen, entsprechende Status reportiert. Gemeinsam wird beschlossen, dass das neue Regelwerk für das Eskalationsverhalten bei Meilenstein-Überschreitung ab sofort in Kraft trifft. Zudem wird die Anpassung des Projektplans diskutiert. Es fehlen jedoch zwei Freigaben, die Entscheidung wird auf nächste Woche vertagt. Das Meeting ist geprägt von Nüchternheit – eine Agenda mit zeitlichen Vorgaben ermöglicht, dass alle geplanten Tagesordnungspunkte besprochen werden.

Im Gebäude gegenüber findet indessen ein Leistungsbeurteilungsgespräch statt. Der Vorgesetzte geht gemeinsam mit seinem Mitarbeiter den standardisierten Bewertungs-bogen durch. 98 % seiner Stellenbeschreibung hat er in diesem Jahr erfüllt, beide Seiten sind zufrieden und geben sich am Ende des Gesprächs die Hand – „auf ein weiteres Jahr!“.

Für einen Außenstehenden gleichen die Organisationen im blauen Landstrich gut geölten Maschinen. Jedes Zahnrädchen trägt mit seiner Arbeit einen Teil zur Funktionsfähigkeit bei. Doch im Grenzgebiet zu Orange sind Unternehmen vorzufinden, die spüren, dass nicht alles per se planbar ist. Übergreifende Problemstellungen bringen das funktionale Zahnradkonstrukt ins Wanken – auch Menschen möchten kein austauschbares Maschinenteil mehr sein. Der Wunsch nach persönlicher Entwicklung lässt sie aufbrechen.“


„BLAU“ – auf einen Blick

Bei der Analyse von Organisationen ist es aus unserer Sicht wichtig, nicht nur einzelne Aspekte – wie beispielsweise die Aufbauorganisation – anzuschauen. Wir betrachten grundsätzlich Strategie, Struktur, System, Selbstverständnis, Spezialkenntnisse, Stammpersonal und Stil – 7 Faktoren, die in Wechselwirkung zueinander stehen und uns einen guten Einblick geben, wie die Organisation „tickt“.

Mit dem Wunsch nach mehr Gerechtigkeit, Planbarkeit und Ordnung tritt oft eine Wei­terentwicklung in Richtung einer blauen Organisation ein. Die Struktur ist weiterhin
hierarchisch, ausgerichtet an Funktionen. Die Strategie ist aufs Sichern der Existenz
und Größe des Unternehmens ausgerichtet. Klar geregelte Prozesse mit vielfältiger IT­-Un­terstützung sind auf der Ebene des Systems kennzeichnend. Hinsichtlich des Selbstverständnisses stehen Loyalität, Ordnung, Si­cherheit, Klarheit, Gerechtigkeit, Disziplin, Ehre, Titel und Status im Fokus. Die Einhaltung von Regeln spielt auf der Ebene der Fertigkeiten und Fähigkeiten eine große Rolle. Man fühlt sich nur für den eige­nen Bereich verantwortlich und plant auch nur für diesen. Die Mitarbeitenden verhalten sich regelkonform und loyal. Befördert und bezahlt werden sie häufig nach Dienstjahren, ein Großteil der Belegschaft ist schon sehr lange im Unternehmen. Der Führungsstil beruht stark auf der Arbeit mit Reglemen­tierungen und bürokratischen Strukturen. Autoritäres Auftreten ist immer noch die Regel. Und alle sind sehr stark darauf be­dacht, Schuld und Fehler zu vermeiden.


… aus der Praxis

Natürlich möchten wir auf unserer Reise nicht nur theoretisch unterwegs sein. Aus den (Transformations-) Erfahrungen von 62 Unternehmen haben wir für dich die wichtigsten Erkenntnisse für „BLAU“ zusammengestellt.

Was auffällig ist, dass BLAU – ähnlich wie ROT – bei den 62 befragten Unternehmen aus der DACH-Region nicht stark verbreitet. Was sich jedoch deutlich unterscheidet: Ein Viertel aller befragten Organisationen gibt an, blaue Kultureinflüsse zu spüren. Ein Großteil davon befindet sich in einem Zwischenzustand zwischen BLAU und ORANGE. Kennzeichnend sind eine sehr lange Mitarbeiterzugehörigkeit, eine zunehmend älter werdende Belegschaft sowie Effizienzaktivitäten und Großinitiativen.

Ein großer Anteil der Unternehmen mit BLAUEN Ausprägungen gibt an, zentral verantwortliche Programmbüros oder Stabstelleneinheiten für die Umsetzung von Lean- bzw. Operational Excellence-Aktivitäten zu haben. Diese steuern auf übergeordneter Ebene, koordinieren verschiedene Teilprojekte und versuchen, einheitliche Standards übergreifend zu etablieren. Kennzeichnend für BLAU ist die Konzeption eines eigenen Regelwerks, in dem die wichtigsten Prinzipien, Leitlinien und Vorgaben zusammengeschrieben sind.

Die interviewten Unternehmen mit BLAUEN Elementen legen viel Wert auf Methodenkompetenz. Nahezu alle Organisationen geben an, einen eigenen Methoden-Werkzeugkoffer entwickelt zu haben, der standardisiert allen für die Anwendung zur Verfügung steht. Um in den einzelnen Abteilungen Prozessverbesserungen voranzutreiben, werden großflächig Mitarbeiter hinsichtlich Lean- bzw. Operational Excellence-Methoden geschult. Zunächst erfolgt eine Basisschulung, um die Hintergründe des Lean Managements zu erklären. Im Anschluss erfolgen Trainings zu Methoden wie 5S, Wertstromanalyse, Makigami, Einzelstückfluss, Kanban, SMED und Verschwendungsanalyse. Im Idealfall erhalten die Mitarbeiter im Anschluss die Möglichkeit, das Gelernte in die Praxis zu transformieren und Optimierungen in ihrem Arbeitsumfeld vorzunehmen. Der Aufbau des Methodenkoffers sowie auch die Durchführung der Schulungen erfolgen in den meisten Fällen mit externer Unterstützung.

Der Reisebericht zeigt es bereits deutlich auf: In BLAUEN Strukturen ist eine starke funktionale Ausrichtung in der Aufbauorganisation vorzufinden. Dies hat zur Folge, dass Prozessoptimierungen nur in den jeweiligen funktionalen Bereichen stattfinden. Eine übergreifende Betrachtung und interdisziplinäre Projekte sind, gerade auch im Anfangsstadium einer Lean Management-Implementierung, untypisch. Akzeptanz findet der Einsatz von Methoden durch kleine Leuchtturmprojekte, deren schnell sichtbare Ergebnisse „leuchten“. Die Mitarbeiter spüren direkt, dass sie durch die Verbesserung Vorteile haben – die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie sich zukünftig wieder bei Projekten beteiligen werden oder vielleicht sogar selbst die Initiative ergreifen. Dieser Schritt ist dann charakteristisch für einen Aufbruch in Richtung ORANGE.


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Übersicht aller Stationen in der Artikelreihe – und so geht es auf der Reise weiter:

ROT BLAU – ORANGE – GRÜN – GELB – TÜRKIS


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